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Rückblick auf 2017

Rückblick zur JurStart 2017 – Alles zur juristischen Karriere

Am Donnerstag, den 8. Juni 2017 hat die Karrieremesse JurStart an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät stattgefunden. Jedes Jahr in der Woche nach Pfingsten nehmen Kanzleien, Unternehmen, Behörden, Vereine und Verbände als Aussteller teil und bieten Studierenden aller Semester, Examensabsolventen, Referendaren und Berufseinsteigern relevante Informationen zu Bewerbung, Beruf und Karriereplanung. Die JurStart ist die größte Messe ihrer Art an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät in Deutschland.

Am Vortag der Karrieremesse fand um 19 Uhr ein Empfang im Gebäude der WWU Weiterbildung statt. Die Messeaussteller, Examensabsolventen und JurStart-Mitarbeiter konnten zunächst bei einem Glas Sekt das schöne Wetter genießen und sich kennenlernen. Der Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr. Janbernd Oebbecke begrüßte die Besucher anschließend mit einer Rede.

Der Dekan freute sich, dass die JurStart zum 17. Mal stattfand. Er ging auf die Entwicklung der Karrieremesse sowie die JurGrad ein, die Schwester der JurStart. Außerdem erwähnte er die Fakultät, die im CHE-Ranking wieder gut abgeschnitten hatte. Auch die Ergebnisse der Absolventen des ersten Staatsexamens seien unverändert sehr erfreulich, lobte Prof. Dr. Oebbecke, und stellte einige Zahlen der JPA-Statistik vor. 30 Prozent der Münsteraner haben mit einem Prädikatsexamen abgeschlossen – im Vergleich mit anderen Hochschulen seien das überdurchschnittlich viele. Abschließend dankte er dem Organisationsteam der JurStart und wünschte allen Beteiligten: „Alles Gute für den Verlauf morgen!“ Der Dekan eröffnete das Buffet und die Besucher verbrachten einen entspannten Abend mit regem Austausch.

Am Messetag standen die Aussteller in verschiedenen Bereichen des Juridicums ab 10 Uhr für die Besucher bereit. 36 regional, national und international tätige Kanzleien sowie 19 weitere Aussteller waren vor Ort, um den Studierenden und Absolventen die Möglichkeit zu geben, persönliche Kontakte zu knüpfen und spontane Bewerbungsgespräche zu führen. Zudem konnten die Besucher bis zu zehn individuelle Bewerbungsgespräche führen, für die sie sich im Vorfeld bewerben konnten. Der Workshop „Networking für Juristinnen“ gab angehenden Juristinnen Tipps für den Aufbau von Netzwerken und die Teilnehmerinnen übten sich in Selbstmarketing. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Regionalgruppe Münster des djb (Deutscher Juristinnenbund) unter der Leitung von Dr. Anja Schäfer, M.E.S, Rechtsanwältin, angeboten.

Gleichzeitig lief die Vortragsreihe „Berufswahl für Juristinnen und Juristen“. Erfolgreiche Juristinnen und Juristen erzählten von ihrem Berufsalltag und dem Arbeitsmarkt. Zudem gaben sie Tipps zur Bewerbung. Dementsprechend war der Raum JUR 1 den gesamten Tag über sehr gut gefüllt mit interessierten Zuhörern.

Johannes Keders, Präsident des Oberlandesgericht Hamm, referierte zum Thema „Vom Hörsaal in den Gerichtssaal - Berufsaussichten in der Justiz". Er fing seinen Vortrag mit einer Beschreibung der türkischen Justiz an und fragte sich, ob dort überhaupt faire Prozesse möglich seien. Er persönlich wünscht sich vernünftige, tatkräftige Juristen und freute sich, dass Veranstaltungen wie die JurStart ein Anlass seien, über das Große und Ganze nachzudenken und die Studierenden und Absolventen dazu anregen, sich zu fragen, was für ein Jurist oder was für eine Juristin sie sein möchten. Er kam vom Gerichtssaal in den Hörsaal, um den Richterberuf vorzustellen. Dieser fasziniere ihn vor allem wegen der Möglichkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen, sowie der hohen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

Tim Engel, Oberstaatsanwalt und Pressedezernent bei der Generalstaatsanwaltschaft Hamm, ging auf das „Das Berufsbild des Staatsanwalts" ein. Für ihn ist der Beruf des Staatsanwalts so interessant, da er ein Gerechtigkeitsempfinden verlange und mit aktuellen Entwicklungen verbunden sei. Geschichten aus seinem eigenen Berufsleben sowie die historische Entwicklung des Berufs – ein Kind der Aufklärung – rundeten den Vortrag ab. Herr Engel ging auf das Bild des Staatsanwalts in der Öffentlichkeit ein. Dabei handele es sich oft um Klischees, die zum Beispiel in Filmen vermittelt werden und nicht wirklich viel mit dem tatsächlichen Berufsalltag gemeinsam haben. Viele Menschen nehmen an, dass es sich um einen spannenden Beruf handeln muss. Dem kann er jedoch nur zustimmen: „Ja, es ist ein spannender Beruf, auch nach zehn, elf Jahren. Es ist ein Beruf, in dem sich ständig etwas verändert.“

Jutta Sieverdingbeck-Lewers, Rechtsanwältin und Notarin bei Meisterernst, Düsing, Manstetten in Münster, hielt erneut einen Vortrag zu dem Thema „Das Berufsbild der Rechtsanwältin und Notarin - Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Sie freute sich, dass einige mehr Herren als letztes Jahr anwesend waren und stellte ihre Kanzlei genauer vor. Von neun Partnern seien vier Frauen, was laut Frau Sieverdingbeck-Lewers etwas Besonderes sei. Denn die Statistiken zeigen oft etwas anderes. Nach einer Untersuchung liegt der Anteil der Partnerinnen in Großkanzleien bei unter zehn Prozent. Der Grund seien lange Arbeitszeiten und die schwierige Vereinbarkeit mit der Familie – und das werde sich nicht ändern. „Ich rate Ihnen, diesen Umstand jetzt schon klar in den Blick zu nehmen“, sagte sie. Wer das Ziel habe, Anwältin zu werden, sollte von Anfang an gut strukturieren, planen und mit den Vorgesetzten über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen.

Lisa Paar, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verwaltungsrecht bei Wolter Hoppenberg, sprach zum Thema „Das öffentliche Recht - Berufliche Perspektive in einer mittelständischen Kanzlei". Sie beschrieb das Öffentliche Recht folgendermaßen: „Entweder man liebt es oder man hasst es. Ich fand es von Anfang an gut.“ Ihre Vorliebe dafür entwickelte sich in der Vorlesung bei Prof. Dr. Oebbecke, der streng gewesen war, aber auch sehr witzig – die ideale Motivation, um zuzuhören. Sie erzählte von ihrem Berufsalltag, der sie ab und zu ins Gericht führe, und ihrer Mandantenstruktur, die aus Bürgern, Unternehmen und Kommunen bestehe. Sie fragte die Zuhörer, was im Falle einer Mandatsanbahnung zu tun sei, und ging auf die niedrigen Streitwerte im Öffentlichen Recht ein.

Dr. Siegbert Gatawis, Richter am Oberverwaltungsgericht des Landes NRW, Münster, referierte zum Thema "Studium, Referendariat und dann? - Die Verwaltungsgerichtsbarkeit stellt sich vor!". Er schwärmte von der aktuellen Einstellungssituation: „An fast allen Stellen können wir Richter gebrauchen, auch in den nächsten Jahren. Bewerben Sie sich jetzt!“ Warum gerade Verwaltungsrecht? Das Verwaltungsrecht sei von hoher Bedeutung für die Gesellschaft, der Richter habe maßgeblichen Einfluss auf das Verwaltungshandeln im Land und es sei interessant und zudem politisch wichtig, zum Beispiel, wenn es um Versammlungsrecht oder Schulrecht gehe. Dr. Gatawis betonte, dass es Fälle mitten aus dem Leben seien, die öffentlich in der Gesellschaft diskutiert werden, und der Beruf am Gemeinwohl interessiert sei.

Dr. Stephan Ulrich, Rechtsanwalt bei Simmons & Simmons, Düsseldorf, referierte zum Thema „Chancen, Risiken, Erfolg: Berufseinstieg in einer Großkanzlei". Er erklärte dass die Arbeit in einer Großkanzlei nicht die „klassische“ Anwaltstätigkeit darstelle, vielmehr werde an großen Projekten im Team gearbeitet. Es gebe eine hohe Spezialisierung, die allerdings nach Fachbereich variiere. Der Beruf sei sehr international und daher vieles auf Englisch. In fasziniert vor allem die Geschäftsentwicklung, der Anwalt sei gleichzeitig ein Unternehmer und müsse auch wie einer denken. In diesen unternehmerischen Ansatz fallen die langen Arbeitszeiten und die individuelle Einsatzbereitschaft. Den Mandanten müsse sofort geholfen werden und nicht erst nach dem Urlaub. Neben guten Noten sei die Frage „Wo wollen Sie hin?“ im Vorstellungsgespräch sehr wichtig. Er ermunterte die Studierenden und Absolventen, sich bereits jetzt Gedanken darüber zu machen.