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Rückblick auf 2016

Rückblick zur JurStart/LLM Fair Europe am 19. Mai 2016 – Alles zur juristischen Karriere

 

Am Donnerstag, den 19.05.2016 fand die Karrieremesse „JurStart/LLM Fair Europe“ an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät statt. Jedes Jahr in der Woche nach Pfingsten nehmen Kanzleien, Unternehmen, Behörden, Vereine und Verbände als Aussteller teil und bieten den Studierenden aller Semester, Examensabsolventen, Referendaren und Berufseinsteigern relevante Informationen zu Bewerbung, Beruf und Karriereplanung. Die „JurStart/LLM Fair Europe“ ist die größte Messe ihrer Art an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät in Deutschland.

Am Mittwoch, den 17.05.2016 und Vortag der Karrieremesse, fand das Bewerbungstraining für Juristinnen statt. Bei diesem Workshop konnten Teilnehmerinnen mit erfahrenen Personaltrainern Bewerbungssituationen durchgehen, sie bekamen professionelle Tipps und konnten ihre Bewerbungsmappen prüfen lassen. Am Abend fand ein Empfang im Gebäude der WWU Weiterbildung statt. Bei einem Glas Sekt konnten sich die Messeaussteller, Examensabsolventen und JurStart-Mitarbeiter kennenlernen und auf den nächsten Tag einstimmen.

Der Dekan Prof. Dr. Janbernd Oebbecke begrüßte die Besucher mit einer Rede. Er berichtete von den diesjährigen Studienanfängern, die immer jünger würden und besonders viele Informationen benötigten. Er lobte die Absolvierenden der Fakultät, die auch dieses Jahr mit ihren Abschlussnoten über dem bundesweiten Durchschnitt lagen, und hebte hervor, dass die WWU die Uni sei, an der die meisten Studierenden der Rechtswissenschaft für das Studium ins Ausland gehen – dank der Fachspezifischen Fremdsprachenausbildung (FFA) und dem LLM-Programm. Anschließend eröffnete er das Buffet und die Besucher verbrachten einen entspannten Abend.

Am Messetag standen die Aussteller in verschiedenen Bereichen des Juridicums ab 10 Uhr für die Besucher bereit. Über 30 regional, national und international tätige Kanzleien und Firmen boten den Studierenden und Absolventen die Möglichkeit, persönliche Kontakte zu knüpfen und spontane Bewerbungsgespräche zu führen. Auch zehn an der LLM Fair Europe teilnehmende internationale Universitäten waren vertreten, um den Nachwuchsjuristen relevante Informationen und die Gelegenheit, persönlich ins Gespräch zu kommen, zu geben. Zudem fanden Workshops zur richtigen Bewerbung und individuelle Bewerbungsgespräche, für die sich Studierende vorher bewerben konnten, statt.

Gleichzeitig lief die Vortragsreihe „Berufswahl für Juristinnen und Juristen“. Erfolgreiche Juristen erzählten von ihrem Berufsalltag, dem Arbeitsmarkt und gaben Tipps zur Bewerbung. Den Anfang machte Ulrich Schambert, Präsident des Landgericht Münster. In seinem Vortrag "Vom Hörsaal in den Gerichtssaal - Berufsaussichten in der Justiz" machte er Werbung für den Richterberuf. Momentan gebe es viele freie Stellen, da die Absolventenzahlen rapide zurückgegangen seien. Auch Ereignisse wie die Silvesternacht in Köln sorgten dafür, dass die Politik der Kleinkriminalität mehr Aufmerksamkeit schenke und Plätze in der Staatsanwaltschaft und den Landgerichten schaffe. Herr Schambert schwärmte von seinem Beruf, bei dem es nur das Gesetz und keinen Vorgesetzten gebe: „ Sie haben nur das Gesetz und sich selbst. Sie werden nicht verbogen oder umerzogen.“ Diese Unabhängigkeit ist für ihn ein unbezahlbarer Faktor, daneben gebe es eine hohe Breite an Abwechslung, ein sehr hohes kollegiales Klima und eine gute Vereinbarkeit mit der Familie.

Prof. Dr. Thomas Lundmark (University of Hull/ Universität Münster (em.)) gab eine Einführung und praktische Tipps zum LLM-Studium. Beliebt sei dieses, weil Studierende verhandlungssicheres Englisch lernten und es in Deutschland sehr renommiert sei. Der richtige Zeitpunkt für ein solches Studium sei unterschiedlich. Die meisten entscheiden sich dazu nach dem ersten Staatsexamen, doch bessere Chancen seien nach dem zweiten Staatsexamen gegeben. Auch nach dem Schwerpunkt ist es möglich, sich zu bewerben. Bei der Wahl der Auslandsuni komme es auf die eigenen Ziele an. Die Ausbildung an allen Universitäten in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien ist seiner Meinung nach sehr gut. Was die Bewerbung angeht, ist sein Rat, sich auf drei bis fünf Universitäten zu beschränken und gezielt das „Statement of purpose“ zu verfassen. Abschließend stellte er verschiedene Universitäten und Programme vor.

Jutta Sieverdingbeck-Lewers, Rechtsanwältin und Notarin bei Meisterernst, Düsing, Manstetten in Münster berichtete in ihrem Vortrag "Das Berufsbild der Rechtsanwältin und Notarin - Vereinbarkeit von Familie und Beruf" von ihrem Berufsalltag und den Herausforderungen, denen sich vor allem Frauen mit Familie im Beruf stellen müssten. Sie gab einige statistische Zahlen zur aktuellen Situation. Zwar seien die Frauen an der Universität in der Überzahl und auch die meisten Absolventen seien weiblich, doch der Anteil der Rechtsanwältinnen sowie der Partnerinnen in Kanzleien seien viel geringer als der Anteil der Männer. Das liege unter anderem an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf als „Mutter“, da es keine flexiblen Arbeitszeiten gebe und die Erwartungen der Mandanten an ständige Anwesenheit geknüpft seien. Frau Siever-dingbeck-Lewers forderte, dass Familienangelegenheiten in gleicher Weise auch die Männer betreffen sollten. Denn Gründe, (dennoch) Rechtsanwältin zu werden, gebe es viele und sie schwärmte vor allem von der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit sowie der Möglichkeit, sich für die Mandanten einzusetzen.

Lydia Lüttich-Jaspers, Syndicusanwältin bei TÜV NORD AG, Essen, informierte über "Syndicus - anwaltliche Tätigkeit im Unternehmen". Sie stellte ihr Unternehmen vor und erläuterte, was ein Syndikusanwalt sei, nämlich ein Anwalt, der für einen nicht anwaltlichen Arbeitgeber tätig ist. Sie ging auf die Geschichte des Berufs ein und dem Unterschied zum Syndikusrechtsanwalt. Die Unterschiede zum Rechtsanwaltsberuf in einer Kanzlei seien vielfältig. Es gebe keine Aquise, man erhalte „Insiderkenntnisse“ zum Unternehmen und der Beruf sei je nach Zuschnitt entweder sehr breit gefächert oder spezialisiert. Ihr gefällt, dass sie Projekte von Anfang an begleitet und häufig auch interdisziplinär vorgeht sowie viel vom Unternehmen mitkriegt.

Dr. Siegbert Gatawis, Richter am Oberverwaltungsgericht des Landes NRW, Münster, hielt einen Vortrag zu "Studium, Referendariat und dann? - Die Verwaltungsgerichtsbarkeit stellt sich vor!". Er sprach von der aktuellen Einstellungssituation, die aufgrund der steigenden Zahl von Asylverfahren zahlreiche freie Stellen biete, und erklärte, warum er das Verwaltungsrecht spannend findet. „Es ist eine lebensnahe Tätigkeit, die oft über Schicksale entscheidet, zum Beispiel wenn es um das Asylrecht geht“, erklärte er. Der Beruf des Verwaltungsrichters sei sehr ansprechend, da dieser nur dem Recht und Gesetz unterworfen, nicht weisungsabhängig und ab dem ersten Tag ein gleichberechtigtes Kammermitglied ist. Zudem sei es eine sinnstiftende Tätigkeit, mit der Verantwortung für die Gesellschaft übernommen werde.

Im letzten Vortrag des Tages berichtete Dr. Michael Börger, leitender Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Hamm, vom Berufsbild des Staatsanwalts. Er gab zu, dass das Berufsbild des Staatsanwalts in Filmen und Medien eher negativ dargestellt wird. Auch im echten Leben erfreuten sich Staatsanwälte keiner allgemeinen Beliebtheit und daher sei der Beruf nichts für zartbesaitete Gemüter. „Wir sind die objektivste Behörde der Welt“, erklärte er und beschrieb das Legalitätsprinzip, nach dem ermittelt und dann entschieden wird, ob es zu einer Einstellung oder Anklage kommt. Er erzählte außerdem von der Vielzahl unterschiedlicher Fälle, mit denen er in seinem Beruf konfrontiert wird. Dabei handelt es sich zum Teil um Sachverhalte, die sich ein ganz normaler Mensch kaum vorstellen könne und die eine ganz besondere Sensibilität fordern.

Zudem fanden erstmals der Workshops „Networking für Juristinnen“ statt. Die erfolgreiche Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Regionalgruppe Münster des djb (Deutscher Juristinnenbund) unter der Leitung von Dr. Anja Schäfer, M.E.S, Rechtsanwältin, Wolter Hoppenberg, Hamm angeboten. Jungen Juristinnen wurde u.a. im Rahmen eines Speed-Networking gezeigt, wie Sie mit Netzwerken zielorientiert und leicht Ihren beruflichen und persönlichen Erfolg gestalten können.

Um 16 Uhr fand die Messe ein Ende. Bei der anschließenden Messeparty konnten Aussteller und Besucher den Tag ausklingen lassen.